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Triglyceride ©

der heimliche Risikofaktor


Alle Welt spricht vom
Cholesterin. Der Risikofaktor „Triglyceride“ wird dabei leicht vergessen. Triglyceride sind die eigentlichen Blutfette. Wir brauchen Sie, da einige Fettsäuren genauso wie Vitamine lebensnotwendig sind. Zuviel davon kann aber auch schädlich sein. 

Was sind eigentlich Triglyceride?

Triglyceride bestehen aus einem Glycerin-Molekül und drei Fettsäuren. Die üblichen Nahrungsfette liegen alle in dieser Form vor, z.B. Butter, Schmalz, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Je mehr ungesättigte Fettsäuren in den Triglyceride n enthalten sind, desto niedriger ist der Schmelzpunkt. „Harte Fette“ wie Schweineschmalz oder Kokosfett enthalten also viele gesättigte Fettsäuren, „weiche Fette“ wie Pflanzenöle bestehen überwiegend aus einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Besonders günstig ist ein hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren, z.B. in Fisch- oder Leinöl. Sehr ungünstig ist hingegen ein hoher Anteil an Transfettsäuren, die chemisch zwar ungesättigte Fettsäuren darstellen, sich biologisch jedoch wie gesättigte Fettsäuren verhalten. Transfettsäuren erhöhen das Risiko für Gefäßerkrankungen und sollten daher weitestgehend gemieden werden. Sie befinden sich in allen hoch erhitzten Fetten, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind, z.B. in Frittierfett, Candys und billiger Margarine. 

Abb. 1: Ein Glycerin + drei Fettsäuren – so
                                                                          
sehen Triglyceride aus

Quelle: http://cours.cstj.net/101-902-m.f/bio902/Atomesetmolecules/Images/Triglyceride.GIF

Doch zurück zu den Triglyceriden. Welche Aufgaben erfüllen Sie im Körper? 

Ø   Triglyceride sind in unserem Unterhautfettgewebe vorhanden und tragen somit zur Temperaturisolierung bei Kälte bei.

Ø   Ein gewisses Fettpolster schützt unsere Knochen und inneren Organe auch vor Verletzungen, wenn wir einmal stürzen.

Ø   Triglyceride sind unser bester Energiespeicher. Ein Gramm Fett enthält 9 kcal. Da die Fettsubstanz in unserem Körper nicht nur aus reinem Fett besteht, kann ein Gramm Körperfett etwa 7 kcal Energie liefern. Der normalgewichtige Erwachsene hat etwa 10 kg Fett, was einer Energiereserve von etwa 70.000 kcal entspricht. Die Fähigkeit, Fett zu speichern, hat sich in unserer Evolutionsgeschichte als überlebensnotwendig erwiesen, da die gleichmäßige Nahrungszufuhr ja keineswegs immer gewährleistet war. In der heutigen Zeit droht in Mitteleuropa jedoch kein Energiemangel, so dass die Fettreserven – zumindest in der Menge wie wir Sie meist  haben - eigentlich nicht mehr notwendig wären.

Ø   Das Fettgewebe stellt auch einen Speicher für die essentiellen (lebenswichtigen) Fettsäuren Alpha-Linolensäure und Linolsäure sowie für fettlösliche Vitamine dar. 

Warum sollen Triglyceride schädlich sein? 

Ø   Eine Energiezufuhr, die dauerhaft über dem Energieverbrauch liegt, führt zu Übergewicht. Triglyceride werden also in den Fettpolstern gespeichert, die Triglyceride im Blut steigen in der Folge auch oft an.

Ø   Hohe Triglyceride im Blut sind mit einer erhöhten Sterblichkeit vergesellschaftet. Triglyceride haben sich mittlerweile als unabhängiger Risikofaktor für Arteriosklerose und die damit verbundene erhöhte Sterblichkeit erwiesen. Eine über 24 Jahre gehende Studie in China ergab eine Verdoppelung des Sterblichkeitsrisikos bei einem Anstieg der Triglyceride um 82 mg/dl. Eine skandinavische Untersuchung konnte zeigen, dass Menschen mit einem Triglyceridspiegel von weniger als 240 mg/dl eine 70 % geringere Sterblichkeit hatten. Nichtraucher hatten ein 60 % niedrigeres Risiko wie Raucher, d.h. hohe Triglyceride über 240 mg/dl erwiesen sich in dieser Studie als genauso risikoreich wie Rauchen!

Ø   Meist geht ein erhöhter Triglycerid-Spiegel im Blut mit einem niedrigen HDL-Cholesterin einher. Niedriges HDL-Cholesterin ist ein weiterer Risikofaktor für Gefäßerkrankungen.

Ø   Meist sind die Triglyceride nicht isoliert erhöht. Durch Über-, Fehlernährung und Bewegungsarmut sind Menschen mit hohen Triglyceriden oft auch von Diabetes, Bluthochdruck und Hypercholesterinämie betroffen. Hierdurch werden die Risiken nochmals potenziert.

Ø   Übergewicht (hier: Triglyceride im Körper, nicht im Blut) führt zu einem erhöhten Risiko für einige Krebsarten. Exemplarisch soll hier nur der Brustkrebs herausgegriffen werden. In den letzten Jahren wird – vollkommen zu Recht – sehr intensiv über das erhöhte Brustkrebsrisiko unter Hormonersatztherapie diskutiert. Es wird jedoch kaum über das erhöhte Krebsrisiko durch Östrogene aus dem eigenen Fett geredet. Die Anzahl der Brustkrebse, die auf das Konto von Fett (Übergewicht) zurückzuführen sind, übersteigt diejenigen durch die Hormonersatztherapie um ein Vielfaches! Wer gegen Hormontherapie ist, sollte auch etwas gegen das eigene Übergewicht tun. 

Tab.: Omega-3-Fettsäuren verschiedener Lebensmittel und Nahrungsergänzungen

1 Gramm Omega-3-Fettsäuren sind enthalten in:

ca. 50 g Hering

ca. 75 g Thunfisch

ca. 1 EL Leinöl

ca. 2 EL Hanföl

ca. 4 EL Rapsöl

ca. 6 Kapseln Fischöl (handelsüblich mit 500 mg Fischöl)

 Abb. 2: Es gibt gute und schlechte Fette,
                                                                            „harte Fette“ sind eher ungünstig 

Hohe Triglyceride – was ist zu tun? 

Die beste Maßnahme zur Senkung der Triglyceride im Blut ist der Abbau von Übergewicht. Auf einzelne Maßnahmen hierzu soll jetzt nicht eingegangen, da dies schon vielfach thematisiert wurde. Lediglich das Heilfasten möchte ich kurz erwähnen, da hierdurch die Triglyceride meist wie Schnee in der Sonne schmelzen. Beim Körperfett kann dies jeder an der Waage und der Figur feststellen. Im Blut kommt es oft innerhalb weniger Tage zu einer Normalisierung. Diese bleibt natürlich nur dann bestehen, wenn anschließend die Lebensweise, die zu den hohen Triglyceriden geführt hat, nicht wieder aufgenommen wird, sondern mit Bewegungstherapie und fettarmer Ernährung das Körpergewicht und damit auch die Triglyceride niedrig gehalten werden. 

Der durchschnittliche Fettgehalt der deutschen Ernährung liegt bei über 40 %. Die durchschnittliche Fettzufuhr in Deutschland sollte eher bei 30 % liegen. Menschen mit erhöhten Triglyceriden profitieren von einer Kost, die noch weniger Fette enthält. Während erhöhte Cholesterinwerte sich durch cholesterinarme Ernährung nur mäßig beeinflussen lassen (Bewegungsmangel und Stress spielen eine weit größere Rolle als weithin angenommen wird), lassen dich die Triglyceride durch fettarme, kalorienreduzierte und ballaststoffreiche Kost in der Regel sehr gut senken. 

Es kommt aber nicht nur darauf an, die Fette quantitativ zu reduzieren, sondern die Zusammensetzung der Nahrungsfette auch qualitativ zu verändern. Bestimmte Fettsäuren – nämlich die Omega-3-Fettsäuren (siehe Tabelle) – sollten sogar in einer großen Menge zugeführt werden. Unter einer hohen Zufuhr von mehreren Gramm pro Tag können Senkungen der Triglyceride bis zu 50 % beobachtet werden – das ist mit keinem der modernen fettsenkenden Medikamente zu erreichen. 

In den letzten Jahren wird ja fast nur noch über vermeintliche oder tatsächliche positive Wirkungen des Alkohols berichtet. Dabei werden Nachteile der Alkoholzufuhr leicht vergessen. Gerade bei erhöhten Triglyceriden sollte die Alkoholzufuhr deutlich eingeschränkt werden, sogar noch weit unter das sonst empfohlene Gläschen Rotwein pro Tag. Als „Nebenwirkung“ einer deutlichen Alkoholreduktion kommt es oft zu einer Gewichtsreduktion, was die Triglyceride weiter verbessert. 

Bewegung im Ausdauerbereich (erst ab 20 Minuten setzt die Fettverbrennung richtig ein) und bei moderaten Belastungen („Laufen ohne zu schnaufen“) senkt nicht nur die Triglyceride, sondern auch Cholesterin und Blutdruck. Bewegung erhöht außerdem das wichtige „Schutz-Cholesterin“ HDL. 

In seltenen Fällen liegt auch einmal eine vererbte Hypertriglyceridämie (hohe Triglyceride im Blut) vor. Dabei können Triglyceride von über 500, ja sogar über 1000 mg/dl auftreten. Hier sollten alle oben aufgeführten Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, darüber hinaus müssen gegebenenfalls aber auch Medikamente eingesetzt werden. Die stärkste triglyceridsenkende Wirkung haben hier Nikotinsäureabkömmlinge (hat nichts mit dem Nikotin im Zigarettenrauch zu tun), z.B. Nicolip®, Complamin spezial®. Diese Substanz ist mit dem Vitamin B3 verwandt. Die Therapie hiermit stellt also eine Mega-Vitamin-Therapie zur Fettsenkung dar, wobei Dosierungen von 3-4 g, also mehr als dem hundertfachen Tagesbedarf eingesetzt werden. Kommt man damit nicht aus, ist eine Therapie mit Fibraten oder Statinen in Erwägung zu ziehen. Eine solche Therapie sollte dann aber einem in Fettstoffwechselfragen besonders versierten Arzt vorbehalten bleiben. 

Triglyceride – wie hoch dürfen sie sein? 

Gesunde:

möglichst unter 200 mg/dl

Menschen mit weiteren Risikofaktoren oder bekannter Arteriosklerose:   

möglichst unter 150 mg/dl

Fazit: 

Gerade die Triglyceride lassen sich mit naturheilkundlichen Maßnahmen, wie fettarmer, kalorienarmer Ernährung mit sehr wenig Alkohol und adäquater Bewegung sehr gut auch „ohne Chemie“ in den Griff bekommen. Viel Erfolg!

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de abgedruckt.

Literatur:
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Haug-Verlag,
Schmiedel: Naturheilkunde kurz & bündig, Haug-Verlag

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