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HABICHTSWALDKLINIK
Klinik für
Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde
Abteilung Innere Medizin und Naturheilkundliche Ambulanz
34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Triglyceride ©
der heimliche Risikofaktor
Alle Welt spricht vom
Cholesterin. Der Risikofaktor „Triglyceride“ wird dabei leicht vergessen.
Triglyceride sind die eigentlichen Blutfette. Wir brauchen Sie, da einige
Fettsäuren genauso wie Vitamine lebensnotwendig sind. Zuviel davon kann aber
auch schädlich sein.
Was sind eigentlich
Triglyceride?
Triglyceride bestehen aus
einem Glycerin-Molekül und drei
Fettsäuren. Die üblichen Nahrungsfette liegen
alle in dieser Form vor, z.B. Butter, Schmalz, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Je
mehr ungesättigte
Fettsäuren in den Triglyceride
n enthalten sind, desto
niedriger ist der Schmelzpunkt. „Harte Fette“ wie Schweineschmalz oder Kokosfett
enthalten also viele gesättigte
Fettsäuren, „weiche Fette“ wie Pflanzenöle
bestehen überwiegend aus einfach oder mehrfach ungesättigten
Fettsäuren.
Besonders günstig ist ein hoher Anteil an
Omega-3-Fettsäuren, z.B. in Fisch-
oder Leinöl. Sehr ungünstig ist hingegen ein hoher Anteil an Transfettsäuren,
die chemisch zwar ungesättigte
Fettsäuren darstellen, sich biologisch jedoch wie
gesättigte
Fettsäuren verhalten. Transfettsäuren erhöhen das Risiko für
Gefäßerkrankungen und sollten daher weitestgehend gemieden werden. Sie befinden
sich in allen hoch erhitzten Fetten, die reich an ungesättigten
Fettsäuren sind,
z.B. in Frittierfett, Candys und billiger Margarine.
Abb.
1: Ein Glycerin + drei
Fettsäuren – so
sehen Triglyceride aus
Quelle:
http://cours.cstj.net/101-902-m.f/bio902/Atomesetmolecules/Images/Triglyceride.GIF
Doch zurück zu den
Triglyceriden. Welche Aufgaben erfüllen Sie im Körper?
Ø Triglyceride sind in unserem
Unterhautfettgewebe vorhanden und tragen somit zur Temperaturisolierung bei
Kälte bei.
Ø Ein gewisses Fettpolster schützt
unsere Knochen und inneren Organe auch vor Verletzungen, wenn wir einmal
stürzen.
Ø Triglyceride sind unser bester
Energiespeicher. Ein Gramm Fett enthält 9 kcal. Da die Fettsubstanz in unserem
Körper nicht nur aus reinem Fett besteht, kann ein Gramm Körperfett etwa 7 kcal
Energie liefern. Der normalgewichtige Erwachsene hat etwa 10 kg Fett, was einer
Energiereserve von etwa 70.000 kcal entspricht. Die Fähigkeit, Fett zu
speichern, hat sich in unserer Evolutionsgeschichte als überlebensnotwendig
erwiesen, da die gleichmäßige Nahrungszufuhr ja keineswegs immer gewährleistet
war. In der heutigen Zeit droht in Mitteleuropa jedoch kein Energiemangel, so
dass die Fettreserven – zumindest in der Menge wie wir Sie meist haben -
eigentlich nicht mehr notwendig wären.
Ø Das
Fettgewebe stellt auch einen Speicher für die essentiellen (lebenswichtigen)
Fettsäuren Alpha-Linolensäure
und Linolsäure sowie für fettlösliche Vitamine dar.
Warum sollen
Triglyceride schädlich sein?
Ø Eine Energiezufuhr, die dauerhaft
über dem Energieverbrauch liegt, führt zu
Übergewicht. Triglyceride werden also
in den Fettpolstern gespeichert, die Triglyceride im Blut steigen in der Folge
auch oft an.
Ø Hohe Triglyceride im Blut sind
mit einer erhöhten Sterblichkeit vergesellschaftet. Triglyceride haben sich
mittlerweile als unabhängiger
Risikofaktor für
Arteriosklerose und die damit
verbundene erhöhte Sterblichkeit erwiesen. Eine über 24 Jahre gehende Studie in
China ergab eine Verdoppelung des Sterblichkeitsrisikos bei einem Anstieg der
Triglyceride um 82 mg/dl. Eine skandinavische Untersuchung konnte zeigen, dass
Menschen mit einem Triglyceridspiegel von weniger als 240 mg/dl eine 70 %
geringere Sterblichkeit hatten. Nichtraucher hatten ein 60 % niedrigeres Risiko
wie Raucher, d.h. hohe Triglyceride über 240 mg/dl erwiesen sich in dieser
Studie als genauso risikoreich wie Rauchen!
Ø Meist geht ein erhöhter
Triglycerid-Spiegel im Blut mit einem niedrigen HDL-Cholesterin einher.
Niedriges HDL-Cholesterin ist ein weiterer
Risikofaktor für
Gefäßerkrankungen.
Ø Meist sind die Triglyceride nicht
isoliert erhöht. Durch Über-, Fehlernährung und Bewegungsarmut sind Menschen mit
hohen Triglyceriden oft auch von
Diabetes,
Bluthochdruck und Hypercholesterinämie betroffen. Hierdurch werden die Risiken nochmals
potenziert.
Ø Übergewicht (hier: Triglyceride
im Körper, nicht im Blut) führt zu einem erhöhten Risiko für einige
Krebsarten.
Exemplarisch soll hier nur der
Brustkrebs herausgegriffen werden. In den letzten
Jahren wird – vollkommen zu Recht – sehr intensiv über das erhöhte
Brustkrebsrisiko unter
Hormonersatztherapie
diskutiert. Es wird jedoch kaum über das erhöhte
Krebsrisiko durch Östrogene aus dem eigenen Fett geredet. Die Anzahl der
Brustkrebse, die auf das Konto von Fett (Übergewicht) zurückzuführen sind,
übersteigt diejenigen durch die
Hormonersatztherapie um ein Vielfaches! Wer
gegen
Hormontherapie ist, sollte auch etwas gegen das eigene
Übergewicht tun.
Tab.:
Omega-3-Fettsäuren verschiedener Lebensmittel und
Nahrungsergänzungen
|
1 Gramm
Omega-3-Fettsäuren sind enthalten in: |
|
ca.
50 g Hering |
|
ca.
75 g Thunfisch |
|
ca. 1 EL
Leinöl |
|
ca. 2 EL
Hanföl |
|
ca. 4 EL Rapsöl |
|
ca. 6 Kapseln
Fischöl (handelsüblich mit 500 mg Fischöl) |
Abb.
2: Es gibt gute und schlechte Fette,
„harte Fette“ sind eher ungünstig
Hohe Triglyceride – was
ist zu tun?
Die beste Maßnahme zur
Senkung der Triglyceride im Blut ist der Abbau von
Übergewicht. Auf einzelne
Maßnahmen hierzu soll jetzt nicht eingegangen, da dies schon vielfach
thematisiert wurde. Lediglich das
Heilfasten möchte ich kurz erwähnen, da
hierdurch die Triglyceride meist wie Schnee in der Sonne schmelzen. Beim
Körperfett kann dies jeder an der Waage und der Figur feststellen. Im Blut kommt
es oft innerhalb weniger Tage zu einer Normalisierung. Diese bleibt natürlich
nur dann bestehen, wenn anschließend die Lebensweise, die zu den hohen
Triglyceriden geführt hat, nicht wieder aufgenommen wird, sondern mit
Bewegungstherapie und fettarmer
Ernährung das Körpergewicht und damit auch die
Triglyceride niedrig gehalten werden.
Der durchschnittliche
Fettgehalt der deutschen
Ernährung liegt bei über 40 %. Die durchschnittliche
Fettzufuhr in Deutschland sollte eher bei 30 % liegen. Menschen mit erhöhten Triglyceriden profitieren von einer Kost, die noch weniger Fette enthält.
Während erhöhte
Cholesterinwerte sich durch
cholesterinarme
Ernährung nur mäßig
beeinflussen lassen (Bewegungsmangel und
Stress spielen eine weit größere Rolle
als weithin angenommen wird), lassen dich die Triglyceride durch fettarme,
kalorienreduzierte und ballaststoffreiche Kost in der Regel sehr gut senken.
Es kommt aber nicht nur
darauf an, die Fette quantitativ zu reduzieren, sondern die Zusammensetzung der
Nahrungsfette auch qualitativ zu verändern. Bestimmte
Fettsäuren – nämlich die
Omega-3-Fettsäuren (siehe Tabelle) – sollten sogar in einer großen Menge
zugeführt werden. Unter einer hohen Zufuhr von mehreren Gramm pro Tag können
Senkungen der Triglyceride bis zu 50 % beobachtet werden – das ist mit keinem
der modernen
fettsenkenden Medikamente zu erreichen.
In den letzten Jahren wird
ja fast nur noch über vermeintliche oder tatsächliche positive Wirkungen des
Alkohols berichtet. Dabei werden Nachteile der
Alkoholzufuhr leicht vergessen.
Gerade bei erhöhten Triglyceriden sollte die
Alkoholzufuhr deutlich
eingeschränkt werden, sogar noch weit unter das sonst empfohlene Gläschen
Rotwein pro Tag. Als „Nebenwirkung“ einer deutlichen
Alkoholreduktion kommt es
oft zu einer
Gewichtsreduktion, was die Triglyceride weiter verbessert.
Bewegung im
Ausdauerbereich (erst ab 20 Minuten setzt die Fettverbrennung richtig ein) und
bei moderaten Belastungen („Laufen ohne zu schnaufen“) senkt nicht nur die
Triglyceride, sondern auch
Cholesterin und Blutdruck. Bewegung erhöht außerdem
das wichtige „Schutz-Cholesterin“ HDL.
In seltenen Fällen liegt
auch einmal eine vererbte Hypertriglyceridämie (hohe Triglyceride im Blut) vor.
Dabei können Triglyceride von über 500, ja sogar über 1000 mg/dl auftreten. Hier
sollten alle oben aufgeführten Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, darüber
hinaus müssen gegebenenfalls aber auch
Medikamente eingesetzt werden. Die
stärkste triglyceridsenkende Wirkung haben hier
Nikotinsäureabkömmlinge (hat
nichts mit dem Nikotin im Zigarettenrauch zu tun), z.B. Nicolip®, Complamin
spezial®. Diese Substanz ist mit dem
Vitamin B3 verwandt. Die Therapie hiermit
stellt also eine Mega-Vitamin-Therapie zur
Fettsenkung dar, wobei Dosierungen
von 3-4 g, also mehr als dem hundertfachen Tagesbedarf eingesetzt werden. Kommt
man damit nicht aus, ist eine Therapie mit Fibraten oder
Statinen in Erwägung zu
ziehen. Eine solche Therapie sollte dann aber einem in Fettstoffwechselfragen
besonders versierten Arzt vorbehalten bleiben.
Triglyceride – wie hoch
dürfen sie sein?
Fazit:
Gerade die Triglyceride
lassen sich mit naturheilkundlichen Maßnahmen, wie fettarmer, kalorienarmer
Ernährung mit sehr wenig
Alkohol und adäquater Bewegung sehr gut auch „ohne
Chemie“ in den Griff bekommen. Viel Erfolg!
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
©
Dr. Volker
Schmiedel
Chefarzt der Inneren
Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin
(Univ. Mailand).

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Dieser Artikel wird mit
freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“
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Literatur:
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Haug-Verlag,
Schmiedel: Naturheilkunde kurz & bündig, Haug-Verlag
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