Omega-3 Das Märchen vom Spiegel Es gab einmal vor langer Zeit in deutschen Landen einen Spiegel. Wenn man in diesen hineinschaute und ihm eine Frage stellte, dann erhielt man eine manchmal sehr kritische Antwort. Man konnte aber immer sicher sein, dass diese gut recherchiert war – ganz im Gegensatz etwa zu der bösen, bösen Konkurrenz mit den vier großen Buchstaben, die es mit der Wahrheit ja nicht immer so ganz genau nahm. Doch das ist lange vorbei. Wir leben schließlich in den Zeiten eines real existierenden Journalismus. Und da scheint es mehr darauf anzukommen, etwas zu berichten, das sehr sensationell klingt oder das einige Leute gerade lesen möchten.
So berichtete uns eben jener märchenhafte Spiegel vor kurzem (Ausgabe 14/2006, S. 163) das Märchen vom Fisch. Darin heißt es: „Die als Fitmacher gerühmten „Omega-3 -Fettsäuren“ sind nicht gesünder als schnödes Schweineschmalz.“ Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht der Omega-3 -Befürworter, die aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen der letzten Jahre ihren Patienten nach bestem Wissen und Gewissen den Konsum von Omega-3-Fettsäuren www.ganzheits-medizin.de/fettsaeuren/ in Form von Leinöl oder fetten Seefischen nahe legten (darunter sogar der Autor dieser Glosse). Auch der Spiegel bemüht die Wissenschaft. Forscher der Universität Norwich haben 89 Studien zum Einfluss von Omega-3 -Fettsäuren auf Herzereignisse (z.B. Herzinfarkt) und die Todesfälle ausgewertet*. Dabei konnten sie für diese zeigen, „dass sie schneller zum Tod führen können“. Herzpatienten werden vor dem Konsum von Omega-3 -Fettsäuren ausdrücklich gewarnt, denn: „Statt zu gesunden, starben sie vermehrt am Infarkt.“ Diese Behauptungen entsprachen so diametral entgegengesetzt all dem, was ich in den vergangenen Jahren aus der (schulmedizinischen) Fachliteratur entnommen sowie in der täglichen klinischen Arbeit erfahren habe, dass ich mich entsetzt an den PC setzte, um mir die Originalarbeit der englischen Wissenschaftler durchzulesen. Dabei erfuhr ich Folgendes: Diejenigen Menschen, die Omega-3 -Fettsäuren einnahmen, hatten ein um 5 % niedrigeres Risiko, ein Herzereignis zu erleiden. Das Risiko zu sterben – an irgendeiner Todesursache – war um 13 % erniedrigt. Ich betone: erniedrigt, nicht erhöht. Diese Ergebnisse waren statistisch nicht signifikant. Die Forscher schließen daraus: Omega-3 -Fettsäuren haben keinen klaren (!) Effekt auf Herzereignisse oder die Gesamtsterblichkeit.
Omega-3: Fälscht der Spiegel wissenschaftliche Studien? Irgendwie müssen die Märchenprinzen des Spiegels da etwas falsch verstanden haben – oder sie wollten es nicht richtig verstehen. Natürlich ist das Ergebnis etwas enttäuschend. Ich hätte ein anderes erwartet und erhofft. Aber wenn überhaupt ein Ergebnis dabei herauskam, so war es ein leichter Schutzeffekt der Omega-3 -Fettsäuren, auf gar keinen Fall aber die schädigende Wirkung, die die Zauberer des Spiegels herbeiphantasiert haben. Und die Interpretation, dass Omega-3 -Fettsäuren nicht gesünder als Schweineschmalz seien, stammt auf gar keinen Fall von den Wissenschaftlern und ist so an den Haaren Rapunzels herbeigezogen, dass Pinocchio, hätte er den Artikel verbrochen, eine meterlange Nase davongetragen hätte.
Omega-3: Lügt der Spiegel wie Pinocchio, weil er Geschäfte mit der Angst machen will? „Ich glaube keiner Statistik, es sei denn, ich habe sie selbst gefälscht.“ (Churchill)
Abgesehen davon, dass der Spiegel die Studie falsch wiedergegeben hat, offenbart
sich hier eine Schwäche der so genannten evidence based medicine, also der
Medizin, die sich auf Beweise stützt – jedenfalls dann, wenn sie die
alleinseligmachende Wahrheit nur in Metaanalysen sucht. Bei solchen Metaanalysen
werden unterschiedlichste Untersuchungen zu einer ähnlichen Fragestellung über
einen Kamm geschert. In eine solche Untersuchung kommen kleine und große
Studien, qualitativ schlechte und qualitativ gute Untersuchungen, solche mit
geringen und solche mit hohen Dosierungen des untersuchten Mittels. Dabei bleibt
es nicht aus, dass einige vorhandene Effekte möglicherweise verwässert werden.
Eine saubere wissenschaftliche Einzeluntersuchung ist mir allemal lieber als
eine schlechte Metaanalyse. Eine solche qualitativ hochwertige Untersuchung ist
die italienische GISSI-Studie**. Dabei erhielten 11.243 Herzpatienten zusätzlich
1 g Omega-3 -Fettsäuren – oder nicht. In der Hälfte der Patienten, die die
Omega-3 -Fettsäuren einnahmen, gab es 20 % weniger Todesfälle insgesamt, 30 %
weniger Tote durch kardiovaskuläre Ereignisse (z.B.
Herzinfarkt
oder
Schlaganfall) und 45 % weniger Fälle von plötzlichem Herztod – also durch
gefährliche
Rhythmusstörungen wie das gefürchtete
Kammerflimmern. Diese Effekte
sind wirklich unglaublich. Keine Studie mit konventionellen Herzmedikamenten,
seien es
Nebenbei: Neulich las ich in einer schulmedizinischen kardiologischen Fachzeitschrift die Spekulation, dass, würden alle Menschen so viele Fische verzehren, wie es für ihr Herz gut wäre, es zu einer Überfischung der Meere kommen würde. Vielleicht ist das die Absicht des Hamburger (!) Nachrichtenmagazins: Die wollen die Fische für sich behalten! Das Märchen von der „gefährlichen“ Naturheilkunde - nicht nur bei Omega-3 -Fettsäuren Was mir
in den letzten Jahren unangenehm auffällt, ist, dass die Journaille sich
regelrecht auf die Naturheilkunde eingeschossen hat. Haben kritische Magazine
wie der Spiegel vor Jahren noch vehement vermeintliche oder tatsächliche
Missstände in der Schulmedizin angeprangert, so ist plötzlich die Naturheilkunde
der schlimme Bösewicht. Mit Pfefferminzöl werden scharenweise Säuglinge
dahingemeuchelt, wer
Hat da
nicht jemand Schneewittchen mit der bösen Hexe verwechselt? Pharmakologen –
meist der Naturheilkunde nicht gerade freundlich gesonnen – sind sich sehr einig
darin, dass es in Deutschland mehr als 10.000 Todesfälle pro Jahr durch
(schulmedizinische)
Medikamente gibt.
Rheumamittel führen dabei die Todesstatistik
an. Die etwa 30 Todesfälle durch Leberversagen, die
Und bitte schön: Wer küsst das Dornröschen vom Spiegel wach und sagt ihm, es soll bei den wirklichen Risiken in der Medizin den Knüppel aus dem Sack holen? Aber vielleicht fürchtet der Spiegel ja die Nebenwirkungen eines solch märchenhaften Verhaltens: Möglicherweise schalten dann einige Goldesel ja weniger Anzeigen. Wenn ich einen Wunsch an die Fee vom Spiegel frei hätte, dann würde ich mir erbitten, dass Artikel, deren Wahrheitsgehalt von den Grimmschen Märchen noch übertroffen wird, zukünftig nicht mehr aus den Giftspritzen der Spiegelredakteure abgesondert werden.
*Hooper, L,
Thompson, RL et al.: Risks and benefits of omega 3
fats for mortality, cardiovascular disease, and cancer: systematic review.
BMJ. 2006
Apr 1;332(7544):739-40. Die Cholesterinartikel auf einen Blick: 1.
Cholesterin:
HDL und LDL - das "gute" und das "böse" Cholesterin Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
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