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Hämochromatose


Bei der Hämochromatose (synonym Hämosiderose) handelt es sich um eine genetisch bedingte Eisenspeicherkrankheit. Während der Gesamteisengehalt des menschlichen Körpers normalerweise bei ca. 4 g liegt, kann er bei der Hämochromatose ein Vielfaches davon betragen. Das überschüssige Eisen kann sich in verschiedenen Organen ablagern, wo es zu Schädigungen führt.  

Ursache – was ist für eine Hämochromatose verantwortlich 

Aufgrund einer vererbten Genveränderung ist der Eisenstoffwechsel gestört. Normalerweise halten sich Eisenaufnahme und  -ausscheidung im Gleichgewicht. Bei der Hämochromatose ist dies nicht mehr Fall. Vielmehr wird wesentlich mehr Eisen im Dünndarm aufgenommen, was zu einer Eisenüberladung in bestimmten Organen führt. Betroffen sein können dabei besonders Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Haut, Herz, Schilddrüse und Hirnanhangdrüse. Die Hämochromatose ist uns also von den Eltern mit in die Wiege gelegt worden und damit unabwendbar. Durch die richtige medizinische Therapie und unter Beachtung einiger Ernährungshinweise lässt sie sich aber leicht behandeln. 

http://science.ksc.nasa.gov/mirrors/images/images/pao/AS15/10075779.jpg Eisen – hier als Kristall – ist in Spuren lebensnotwendig

Symptome – wie macht sich eine Hämochromatose bemerkbar?

Eine Hämochromatose verursacht zunächst einmal keine Symptome. Werden jedoch Organe durch das Zuviel an Eisen geschädigt, kann es zu Symptomen kommen. Hier bestätigt sich wieder die Regel des alten Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus): „dosis sola facit venenum (allein die Dosis macht, ob ein Ding ein Gift ist).“ Das in Spuren lebenswichtige Eisen entfaltet im Übermaß schädliche Wirkungen mit teilweise erheblichen Einflüssen auf die Gesundheit und die Lebensqualität. Im Vordergrund stehen dabei: 

    • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
    • Reizbarkeit, Aggressivität (Eisen ist das dem Kriegsgott Mars zugeordnete Element)
    • Infektanfälligkeit
    • Gelenkschmerzen
    • Verminderte Libido beim Mann
    • Veränderungen der Monatsblutung bei der Frau (durch Schädigung der Hirnanhangsdrüse
    • Haarausfall, graue Haare
    • Graubraune Haut, später auch Bronzetönung der Haut
    • Diabetes mellitus durch Schädigung der Bauchspeicheldrüse (durch die Kombination der Hautveränderungen mit dem Diabetes wurde die Hämochromatose auch als „Bronzediabetes“ bezeichnet)
    • Brustschmerz, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche
    • Chronische Hepatitis (nicht durch Viren, sondern durch das Eisen bedingt), welche in eine Leberzirrhose übergehen kann
    • Splenomegalie (Milzvergrößerung)
    • Durch die pro-oxidative Wirkung von Eisen ist auch das Risiko von Arteriosklerose (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) und Krebs erhöht.

Auch wenn die Erbanlage für Hämochromatose vorliegt, muss sie nicht symptomatisch werden. Bei einer heterozygoten Veranlagung (nur ein Gen ist betroffen) treten nur selten und wenn, dann schwach ausgeprägte Symptome auf. Bei einer homozygoten Belastung (beide Gene sind betroffen) ist die Wahrscheinlichkeit für Schädigungen jedoch viel höher. 

http://www.stanford.edu/group/virus/hepadna/2004tansilvis/liver%20cirrhosis.gif Das Schreckgespenst: Leberzirrhose – nicht nur durch
                                                           Alkohol, sondern auch durch Eisen möglich
 

Vor dem 20. Lebensjahr führt die Hämochromatose aber selten zu Symptomen. Bei betroffenen Frauen treten die Symptome später als bei den Männern auf, da sie durch „natürliche Eisenverluste“ (Monatsblutung) wenigstens zum Teil geschützt sind. Häufig werden Frauen nach den Wechseljahren symptomatisch oder weisen hohe Blutfarbstoff- und Eisenwerte auf.  

Wenn unerklärliche Erschöpfung und verringerte Belastbarkeit vorliegen, denkt der Arzt oft an eine Blutarmut durch Eisenmangel. Wenn die Werte im Blut dann aber nicht nur nicht wie erwartet niedrig, sondern im Gegenteil sogar ausgesprochen hoch sind, dann sollte die Hämochromatose in die differentialdiagnostischen Überlegungen mit einbezogen werden. 

Später kann es dann zu Gelenkschmerzen, Leberenzymerhöhungen und Diabetes kommen. Unbehandelt kann die Hämochromatose nach einigen Jahrzehnten in eine Leberzirrhose übergehen, aus der sich dann sogar ein Leberkarzinom entwickeln kann. Der Diabetes und die Leberzirrhose stellen dabei irreversible Schädigungen dar. Einmal eingetreten kann zwar noch das Fortschreiten aufgehalten, der Krankheitsverlauf aber nicht mehr umgekehrt werden. 

Bei etwa jedem 3. Patienten kommt zu Gelenkschädigungen, bei jedem 6. zu einer Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung). Unbehandelt ist die Lebenserwartung von Patienten mit Hämochromatose deutlich eingeschränkt. Wird jedoch die richtige Therapie vor dem Eintreten irreversibler Schäden (hier stehen Leber und Bauchspeicheldrüse im Vordergrund) eingeleitet, dann ist die Lebenserwartung nicht verkürzt. 

Diagnostik – wie kann man die Hämochromatose erkennen? 

Wenn nicht schon die angegebenen Symptome auf die Hämochromatose hinweisen und eine gezielte Suche einleiten, so wird der Verdacht auf eine Hämochromatose meist durch einen hohen Hämoglobinwert (normal 12-16 g/dl bei der Frau, 14-18 g/dl beim Mann) gelenkt. Wenn dann noch das Serumferritin (normal 20-120 ng/ml bei der erwachsenen Frau bis zum 50. Jahr, 30-300 ng/ml beim Mann) erhöht ist, so ist die Diagnose nahezu sicher. Im Zweifel kann auch ein mittlerweile verfügbarer Gentest die genetische Veränderung nachweisen. In 90 % der Fälle liegt dabei eine C282Y-Mutation vor. Andere seltenere Gendefekte können von darauf spezialisierten Hämatologen oder Humangenetikern nachgewiesen werden. Bei der Gendiagnostik ist noch die Unterscheidung zwischen einer heterozygoten (niedrigeres Gefährdungspotential) und einer homozygoten (hohes Risiko für Spätschäden) Veranlagung wichtig, da letztere zu rascheren und intensiveren therapeutischen Bemühungen führen sollte. Ggf. kann auch eine Leberpunktion erfolgen, um das Ausmaß der Eisenüberladung in den Leberzellen festzustellen. 

Die Grafik "http://www.bio.davidson.edu/people/midorcas/animalphysiology/websites/2004/Gooch/hemoglobin.GIF" kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält. Hämoglobin enthält als wichtige Zentralatome Eisen 

Therapie –wie wird die Hämochromatose behandelt? 

Bei der Hämochromatose besteht der seltene Fall, wo sich die Schulmedizin eines alten naturheilkundlichen Verfahrens bedient – nämlich des Aderlasses. Es gibt keine Methode, mit der man so einfach, rasch und effektiv die Eisenspeicher entleeren kann. Anfänglich werden dabei wöchentliche Aderlässe von 250 bis 500 ml durchgeführt. Das Ziel ist es, bei einem normalen Blutfarbstoff den Serumferritinwert in den unteren Normbereich abzusenken. Später kann dann die Frequenz der Aderlässe und die Menge eines Aderlasses reduziert werden, z.B. auf eine Erhaltungstherapie von vierteljährlich 250 ml (wenn die Laborwerte darunter im gewünschten Bereich liegen). 

 Der Aderlass – altes Naturheilverfahren und schulmedizinisches
                                             „Mittel der Wahl“ bei der Hämochromatose
 

Eine medikamentöse Therapie mit Deferoxamin dient auch der Eisenreduktion und sollte erwogen werden, wenn trotz Eisenüberladung aufgrund der häufigen Aderlässe eine Blutarmut vorliegt, die zunächst keine weiteren Aderlässe mehr zulässt. Bei der so genannten Erythroapherese werden mehr rote Blutkörperchen und daher auch mehr Eisen als beim normalen Aderlass entnommen. Aufgrund des hohen Aufwandes und der Kosten bleibt dieses Verfahren Sonderfällen vorbehalten, wobei die Kostenübernahme durch die Kassen nicht immer gewährleistet ist – im Gegensatz zum Aderlass, wo es bei gesicherter Diagnose überhaupt keine Probleme gibt.

Hämochromatose - Was kann der Patient selbst tun? 

Der Patient kann mit seiner Lebensweise allerdings auch selbst dazu beitragen, dass die Eisenspeicher schneller entleert werden. Die wichtigste Maßnahme ist hierbei, die Zufuhr eisenreicher Lebensmittel zu vermeiden. In erster Linie sollte also rotes Fleisch und daraus hergestellte Lebensmittel weitgehend gemieden werden. Bei Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten sollte darauf geachtet werden, dass diese kein Eisen enthalten. Auch mit der Einnahme von Vitamin C sollten Patienten mit Hämochromatose eher vorsichtig sein. Zum einen, weil Vitamin C die Eisenaufnahme aus der Nahrung fördert. Zum anderen, weil Vitamin C die pro-oxidativen Effekte von Eisen fördert. Obwohl Vitamin C eigentlich ein Antioxidans ist, kann es in diesem Fall die Belastung mit gefährlichen freien Radikalen sogar fördern. 

Genussmittel wie Kaffee und schwarzer Tee (lang gezogener Tee mehr noch als Kaffee) hemmen die Eisenaufnahme. Während man ansonsten eine reichliche Zufuhr dieser Getränke vor oder zum Essen eher nicht anraten würde, ist dies bei der Hämochromatose sogar geboten. Der Betroffene kann sich dadurch möglicherweise den einen oder anderen Aderlass sparen – ganz wird er sie allerdings nicht vermeiden können. 

Hämochromatose - Fazit 

Die Hämochromatose ist eine genetische Störung, die unbehandelt schwere Organstörungen bis hin zum vorzeitigen Ableben verursachen kann. Rechtzeitig erkannt, richtig behandelt und unter guter Kontrolle der Therapie können die betroffenen Patienten aber ein ansonsten kaum beeinträchtigtes Leben führen. Die Kombination aus regelmäßigen Aderlässen und der Beachtung einiger Ernährungshinweise führt bei der Hämochromatose zu sicheren Erfolgen.

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Naturarzt“ www.naturarzt-access.de abgedruckt.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

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Volker Schmiedel

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