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DHEA ©  

Das „Anti-Aging-Hormon“?


In den Vereinigten Staaten ist DHEA seit 1994 als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und kann in jedem Supermarkt relativ preiswert erworben werden. Hiervon machen auch zahlreiche Amerikaner Gebrauch, da es vollmundig als Verjüngungshormon beworben wird, seit Tierversuche bekannt geworden sind, in denen Nagetiere unter DHEA deutlich länger lebten und dabei auch noch jünger aussahen. Inwieweit diese Tierversuche auf den Menschen wirklich übertragbar sind, wird derzeit sehr kritisch diskutiert. Aber auch unter anderen therapeutischen Gesichtspunkten könnte sich DHEA als äußerst interessante Substanz erweisen. 

Was ist eigentlich DHEA? 

DHEA S ist die Abkürzung für DeHydroEpiAndrostenionSulfat. Es handelt sich dabei um die Speicherform für DHEA (=DeHydroEpiAndrostenion, s. Abb. 1). DHEA wird in der Nebenniere gebildet (bei Männern zu 100 %, bei Frauen zu 70 %, die übrigen 30 % in den Eierstöcken). In der Leber wird es in DHEA S umgewandelt.  Dieses Hormon übt selbst vielfältige Wirkungen in unserem Organismus aus. Es ist aber auch die Vorstufe aller so genannten Steroidhormone. DHEA-Strukturformel
Abb.1: Chemische Strukturformel von DHEA 

Hormone sind Botenstoffe in unserem Körper. So steuern die Schilddrüsenhormone die Geschwindigkeit, mit der Stoffwechselvorgänge ablaufen, und ohne die Sexualhormone wäre eine Fortpflanzung nicht möglich. Einige Hormone werden als Proteohormone bezeichnet, da sie wie die Proteine (Eiweiße) aus langen Ketten von Aminosäuren bestehen. Andere Hormone sind chemisch sehr einfache Abkömmlinge von Aminosäuren, z.B. die Schilddrüsenhormone aus dem Tyrosin oder Melatonin und Serotonin aus dem Tryptophan. Eine große Gruppe von Hormonen werden als Steroidhormone bezeichnet, da sie alle vom Cholesterin abstammen. Hierzu gehören Kortison, Aldosteron, Vitamin D (welches eigentlich kein Vitamin, sondern ein Hormon darstellt) und eben auch das DHEA bzw. dessen Abkömmlinge, die Sexualhormone. 

Deutsche Ärzte haben alle schon einmal etwas davon gehört, da sie im 3. vorklinischen Semester in den Biochemie-Vorlesungen die Stoffwechselwege der Hormone auswendig lernen mussten. Nach der vorklinischen Prüfung, dem Physikum, fielen diese Erkenntnisse jedoch nach und nach dem Vergessen anheim, da DHEA in Deutschland nicht zugelassen ist (einzige Ausnahme: die Hormon-Spritze Gynodian® Depot enthält u.a. auch DHEA). Da in ärztlichen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen DHEA kein Thema ist und da auch kein Pharmareferent den Arzt über DHEA informiert, können Sie von Ihrem Arzt (i.d.R.) keine brauchbaren Informationen über DHEA erhalten. Informationen aus dem Internet sind unsicher, da sie oft entweder ideologisch gefärbt sind oder von nahe liegenden wirtschaftlichen Interessen (Internet-Vertrieb von DHEA) beeinflusst sind. 

Biosynthese von Dehydroepiandrosteron

Abb. 2: Synthese und Abbau von DHEA 

Welche Wirkungen hat DHEA?

1934 wurde es von Butenandt entdeckt, 1944 wurde DHEA S entdeckt, seit den 80er Jahren werden seine biologischen Wirkungen diskutiert, wobei natürlich insbesondere die „Anti-Aging“-Wirkung für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Nach den Dopingregeln des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist die Anwendung bei Sportlern verboten. DHEA wird als Prohormon oder Mutterhormon bezeichnet, da es die Vorstufe anderer wichtiger Hormone ist. DHEA ist ohne Übertreibung das wichtigste Hormon des menschlichen Körpers, da kein anderes Hormon in einer derart hohen Menge täglich synthetisiert wird (bei jungen Erwachsenen etwa 30 mg pro Tag) und kein anderes Hormon derart hohe Serumspiegel aufweist. Die Serumspiegel sind altersabhängig. Einem Anstieg bis zum 25. Lebensjahr folgt ein kontinuierlicher Abfall im Alter. Männer haben etwas höhere Spiegel als Frauen. Am Morgen weisen wir die höchsten Werte an DHEA auf, weshalb Blutuntersuchungen auch am frühen Morgen stattfinden sollten, um keinen Mangel fälschlicherweise vorzutäuschen. 

DHEA -Gaben sollen die Stimmung verbessern, die Sexualbereitschaft und  -aktivität steigern, Stress entgegenwirken, den Muskelzustand aufrechterhalten, das Immunsystem stärken, Diabetes verhindern, das Gedächtnis erhalten und das Krebs- und Herzkrankheitsrisiko verringern. Ja sogar gegen Fettsucht, AIDS, Osteoporose und Alzheimer soll DHEA wirksam sein. Ich betone an dieser Stelle das „sollen“, da es für all diese wundersamen Wirkungen zwar einige Hinweise, jedoch noch keine durchschlagenden, allgemein anerkannten Beweise gibt. 

In einigen Untersuchungen fand man bei Frauen, die später Brustkrebs entwickelten, erstaunlich niedrige DHEA -Spiegel. Ob der Umkehrschluss, ein hoher DHEA -Spiegel oder gar die zusätzliche Zufuhr von DHEA verhindere sogar Krebs, richtig ist, kann derzeit noch nicht sicher verifiziert werden. Nach dem hippokratischen Prinzip des „nihil nocere“ (in erster Linie nicht schaden), würde man Menschen mit nachgewiesenen hormonabhängigen Tumoren (z.B. bestimmte Brustkrebsformen der Frau und Prostatakrebs des Mannes) dringend von einer DHEA -Einnahme abraten. 

 Auch im Alter noch leistungsfähig dank DHEA? 

Bei genetisch fettleibigen Ratten fand man unter DHEA ein deutlich reduziertes Körpergewicht. Ob dies auch beim Menschen so ist, sei dahingestellt. Immerhin konnte nachgewiesen werden, dass DHEA ein Enzym, welches für die Fettsynthese wichtig ist, hemmt. 

Hingegen stimuliert DHEA das Enzym Katalase, welches antioxidativ wirkt und uns vor Angriffen freier Radikale schützt. Oxidation von Cholesterin und anderen biologischen Substanzen wird heute als wesentlicher Schritt der Entwicklung einer Arteriosklerose und damit auch des Alterungsprozesses angesehen. 

Die Insulinempfindlichkeit wird durch DHEA gesteigert. Damit könnte es der Entwicklung von Diabetes und von Übergewicht entgegenwirken. 

DHEA verstärkt die Bildung von Interferon durch weiße Blutkörperchen. Damit könnte es zur Stärkung des Immunsystems beitragen und vor Infektionen und Krebs schützen helfen. 

In Zellversuchen regt DHEA die Bildung von Nervenzellen und vor allem die Anzahl der Kontakte zwischen den Nervenzellen an. Damit könnte DHEA sich als interessante Substanz in der Vorbeugung und Behandlung von Demenz erweisen. 

Sollte etwa jeder DHEA vorsorglich einnehmen? 

Die Aussicht, ein natürliches und relatives preiswertes Mittel einzunehmen, um damit das Gedächtnis, die körperliche und sexuelle Leistungsfähigkeit, ein junges, gesundes Aussehen, eine schlanke Figur und ein gutes Immunsystem zu erhalten, ist natürlich attraktiv. Trotzdem muss vor der Selbstmedikation von DHEA dringend gewarnt werden. Immerhin handelt es sich um ein Hormon, welches in zahlreiche Stoffwechselprozesse eingreift und bei Überdosierung durchaus Nebenwirkungen entfalten kann. Von der Hormonersatztherapie mit Östrogen/Gestagen für Frauen in den Wechseljahren wurden ja ähnlich positive Wirkungen behauptet, bis es dann nach bekannt werden großer Studien ein jähes Erwachen gab. Die Hormonersatztherapie schützt nämlich nicht nur nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall wie angenommen, sondern erhöht sogar dass Risiko hierfür. Das Risiko für Brustkrebs steigt mit jedem Jahr der Einnahme ebenfalls progredient an. 

Vorsicht ist also vor einer unkritischen Einnahme geboten! Ein Indiz deutet darauf hin, dass DHEA etwas weniger „schädlich“ sein könnte: DHEA ist ein Vorhormon, welches der Körper in aktive Hormone umwandeln kann, aber nicht muss. 

In Studien fand man, dass Menschen mit niedrigen DHEA -Spiegeln und entsprechenden Beschwerden (z.B. geringe Leistungsfähigkeit, sexuelles Desinteresse) von einer DHEA -Gabe deutlich profitierten. Menschen mit normalen Spiegeln und den entsprechenden Beschwerden erzielten jedoch keine Besserung, ebenso wenig konnte bei Menschen mit niedrigen Spiegeln, die aber keine Symptome aufwiesen, das Befinden nochmals gesteigert werden. 

Daraus habe ich für mich geschlossen, dass ich bei folgenden Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen eine DHEAS -Testung im Blut in Erwägung ziehe:

Ø Burnout-Syndrom
Ø     
Chronisches Müdigkeitssyndrom
Ø     
Immunschwäche
Ø     
Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma, Multiple Sklerose, M.Crohn/Colitis ulcerosa)
Ø     
Osteoporose
Ø     
Diabetes
Ø     
Demenz bzw. erhöhtes Risiko hierfür
Ø     
Wechseljahrsbeschwerden (Frau & Mann) 

Finde ich dabei Werte, die unterhalb der Altersnorm liegen, verschreibe ich über eine internationale Apotheke ein DHEA-Präparat, wobei meist eine Dosis zwischen 10 und 50 mg gewählt wird. Die Patienten werden aufgefordert, auf mögliche Nebenwirkungen zu achten, um dann ggf. die Dosis zu reduzieren. In jedem Fall bestehe ich darauf, nach etwa zwei Monaten unter laufender Einnahme von DHEA eine Blutkontrolle durchzuführen, um zu schauen, ob ein normaler, altersentsprechender Spiegel erreicht wird, die gewählte noch nicht ausreicht und gesteigert werden muss oder ob bei einem zu hohen Wert sogar eine Dosisreduktion erfolgen sollte. Mit diesem Vorgehen, welches sowohl die objektiven Laborwerte als auch das subjektive Befinden berücksichtigt, befindet man sich immer auf der sicheren Seite. Frauen und Männer sollten vor und während der Einnahme regelmäßig an Krebsvorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Das sollten sie sowieso, aber wegen des möglichen Risikos bei hormonabhängigen Tumoren (s.o.) sollten die Kontrollen besonders zuverlässig erfolgen. 

Mögliche Nebenwirkungen von DHEA:

Ø     
Haarausfall
Ø     
Übermäßiges Haarwachstum
Ø      Akne
 

Diese Nebenwirkungen sind nur dann zu erwarten, wenn ein zu hoher DHEA -Spiegel im Blut erreicht wird. Bei Normalisierung eines zu niedrigen Spiegels ist im Gegenteil sogar eine Normalisierung eines vorher schlechten Haarwachstums möglich. Über eine Langzeittherapie gibt es noch keine sicheren Erkenntnisse. 

DHEA nur unter ärztlicher Kontrolle! 

Auch wenn DHEA in den USA im Supermarkt frei verkäuflich ist, viele Amerikaner DHEA ohne Indikation und ohne Mangel einnehmen sowie Überdosierungen vermutlich häufig vorkommen und trotzdem keine häufigen und gravierenden Nebenwirkungen in den USA durch DHEA bekannt geworden sind, sollte DHEA – wenn überhaupt – nur bei klinischer Indikation, bei nachgewiesenem Mangel und unter der Kontrolle eines damit erfahrenen Arztes eingenommen werden. 

Von einer Selbstmedikation ist dringend abzuraten! Sie erhalten zwar DHEA mittlerweile über diverse Internetquellen recht problemlos oder können es sich aus dem Ausland besorgen, sollten dies aber nicht tun. Erstens handelt es sich dabei um einen unerlaubten Arzneimittelimport der strafbar ist – mittlerweile sind schon Besteller zum Zollamt bestellt worden und mussten hohe Strafen bezahlen. Zweitens – und dies ist eigentlich noch gravierender – können Sie nicht die Qualität der Quelle beurteilen. Eine Untersuchung von 11 über das Internet bestellten DHEA -Präparaten ergab, dass 8 nicht einmal annähernd die auf der Packung angegebenen Dosierungen enthielten (teilweise deutlich zu hoch oder zu niedrig), ein Präparat enthielt gar kein DHEA, sondern Progesteron, ein ganz anderes Hormon. 

Bei Beachtung der oben beschriebenen Einschränkungen und Hinweise habe ich von Patienten gute Rückmeldungen erhalten. Fast alle Patienten mit einem Mangel fühlten sich nach Erreichen der optimalen Werte deutlich leistungsfähiger und auch psychisch oft stabiler.

Rund um die Hormone:

Alternative Hormontherapie/Phytoöstrogene - in den Wechseljahren
Hormone / Hormonersatztherapie -
das böse Erwachen aus einem schönen Traum
DHEA - das Anti-Aging-Hormon?
Melatonin - der Bote der Nacht
Serotonin - das „Glückshormon“

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: August 2010

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