Cholecalciferol –
das Knochenvitamin Eine
schöne Überschrift – leider enthält sie bereits zwei oder mindestens 1 ½
Fehler! Der erste: Cholecalciferol ist gar kein Vitamin. Vitamine sind definitionsgemäß
essentielle (lebensnotwendige) Nährstoffe, die von außen zugeführt werden müssen.
Cholecalciferol ist zwar essentiell, wir können es aber mit Hilfe von
Sonnenlicht (UV-B-Strahlung) in der Haut selbst bilden. Wir können es mit der Nahrung in Form von Vitamin-D-reicher Nahrung oder
medikamentös zuführen, wir sollten das möglicherweise auch, müssen es aber
nicht, wenn wir genügend in der Haut bilden. Aufgrund seiner chemischen
Struktur gehört Cholecalciferol eher zu den Steroidhormonen, einer Gruppe von
Hormonen, zu der auch das Kortison und die Geschlechtshormone gehören. Nur
die halbe Wahrheit hingegen ist die Bezeichnung des Cholecalciferol als
Knochenvitamin. Diese Bezeichnung impliziert zum einen die fälschliche Annahme,
wir bräuchten für den Knochen nur das Cholecalciferol (wir brauchen auch noch
Kalzium, das weiß jeder, aber auch u. a.
Vitamin K,
„ Zunächst
noch einmal einige biochemische Grundlagen. Wenn wir vom Cholecalciferol sprechen,
dann meinen wir meist das Vitamin D3, welches über die Nahrung aufgenommen wird
oder aus dem Pro-Vitamin D mit Hilfe der Sonne in
der Haut gebildet wird. Dieses auch als Cholecalciferol
bezeichnete Vitamin D ist jedoch noch gar nicht richtig wirksam. Es wird in der
Leber zum 25-Hydroxy-Vitamin D3 (Calcediol) und dann in der Leber zum
1,25-Dyhydroxy-Vitamin D3 (Calcitriol) umgewandelt. Das geschieht bei gesunder
Leber und Niere automatisch, eine genügende Vitamin
D3-Zufuhr oder –Synthese ist daher ausreichend für eine gute Versorgung.
Lediglich, wenn Leber oder Nieren stark in ihrer Funktion beeinträchtigt sind,
können wir paradoxerweise einen Vitamin D-Mangel trotz reichlicher
Vitamin D3-Zufuhr haben – es wird daraus eben nicht mehr das eigentlich
wirksame Vitamin D gebildet.
Wie
wirkt Cholecalciferol?
Seine
Bedeutung für gesunde Knochen und Zähne sind jedem bekannt. Es fördert:
Aber
es hat, wie schon erwähnt, weit darüber hinaus gehende Aufgaben. So hat man im
Tierversuch festgestellt, dass es die Bauchspeicheldrüse vor Autoimmunprozessen
schützt. Der
Aber
auch beim Typ II-
Auch
bei
Cholecalciferol wirkt außerdem auf das Nervensystem. In Untersuchungen hat man festgestellt,
dass
Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Cholecalciferol auch die Psyche beeinflusst. Unter Cholecalciferol-Mangel wurden vermehrt Depressionen beobachtet. Dies könnte eine Erklärung für das Auftreten der so genannten Winterdepression sein. Im Winter fallen bei allen Menschen, wenn nicht Cholecalciferol zugeführt wird, die Vitamin D-Spiegel regelhaft ab. Sinken die Spiegel zu tief, wobei die Grenze individuell wohl sehr unterschiedlich ist und durch viele weitere Faktoren beeinflusst wird, kann eine Depression entstehen oder sich verstärken. Und
schließlich wirkt Cholecalciferol auch noch auf das
Immunsystem.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass Cholecalciferol eine differenzierende Wirkung
auf Leukämiezellen hat (je differenzierter eine
Tumorzelle ist, desto harmloser ist sie – vereinfacht gesagt). Auf
verschiedene Tumorarten (Dickdarm,
Brust,
Melanom,
Osteosarkom) hat
Cholecalciferol
eine antiproliferative (wachstumshemmende) Wirkung. Und es konnte schließlich
gezeigt werden, dass
Brust-,
Dickdarm- und
Prostatakrebse umso seltener
auftreten, je besser die Cholecalciferol-Aufnahme ist. Auf
Makrophagen, den Fresszellen unseres
Immunsystems, konnten Vitamin D-Rezeptoren
gefunden werden. Bei Anwesenheit von Cholecalciferol können Makrophagen Mikroben viel
besser bekämpfen. Cholecalciferol hemmt andererseits die Bildung von Tumor Nekrose Faktor-α
und von Interleukin 12, zwei wichtigen Substanzen, die bei übermäßigen
Immunreaktionen wie Autoimmunkrankheiten beteiligt sind. Es stellt sich also
immer mehr heraus, dass Cholecalciferol ein Immunmodulator ist, d. h. ein zu schwaches
Immunsystem wird stimuliert, gleichzeitig werden aber übermäßige
Immunreaktionen wie bei
Cholecalciferol könnte man also mit Fug und Recht als „Sonnen-Knochen-Nerven-gute
Laune-Immun-Vitamin“ bezeichnen. Die moderne Medizin kennt mittlerweile eine
Fachrichtung, die sich Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie nennt – ein
Wortungetüm, welches nichts anderes besagt, als dass Seele, Nerven, Hormondrüsen
und
Immunsystem nicht als voneinander völlig getrennte Einheiten angesehen
werden können. Vielmehr bilden diese Bereiche eine funktionelle Einheit, das
Eine kann man nicht ohne das Andere verstehen. Es ist auch aus
erkenntnistheoretischer Sicht interessant, dass modernste naturwissenschaftliche
Forschungsergebnisse und alte erfahrungsheilkundliche Grundsätze sich in
ganzheitlicher Sichtweise harmonisch miteinander verbinden.
Cholecalciferol-Bedarf: Wie viel Vitamin D brauchen wir? Die
Ernährungsgesellschaften empfehlen 5 μg Vitamin D pro Tag. Kleinkinder,
Stillende und über 65-jährige sollten 10 μg täglich zuführen. Oftmals
werden nicht die μg = Mikrogramm, sondern die I.E. = Internationale
Einheiten angegeben. Sie können beides ganz leicht ineinander umrechnen: 1
μg = 40 I.E. Die
Zufuhrempfehlungen liegen also bei 200 bis 400 I.E. Die Empfehlungen gelten für
Gesunde. Der therapeutische Bereich bei bestimmten Erkrankungen liegt teilweise
weit darüber.
Vorkommen:
Welche Lebensmittel sind besonders reich an Cholecalciferol? Die
Cholecalciferol - reichsten
Lebensmittel sind Fische. Andere tierische Produkte sind wesentlich ärmer an
Cholecalciferol, hier sticht lediglich die Leber als guter Lieferant hervor. In
pflanzlichen Lebensmitteln finden wir Cholecalciferol nicht, außer in Pilzen. Beispiele:
Auch Milch, Butter und Eier enthalten Cholecalciferol. Sehr reich an Cholecalciferol sind Fischlebertrane, wobei der angegebene Gehalt beachtet werden sollte. Vegetarier, die keinen Fisch und keine Pilze essen und außerdem die Sonne meiden, bekommen also garantiert Probleme mit der Cholecalciferol-Versorgung.
Überdosierung:
Kann zuviel Cholecalciferol gefährlich werden? Es gibt keine Substanz, die nicht
auch ein Gift sein kann, es kommt eben nur auf die Dosis an – wusste
schon der alte Paracelsus. Cholecalciferol gehört zu den fettlöslichen
Vitaminen, die - anders als die wasserlöslichen Vitamine – bei Überdosierung
nicht einfach über die Niere ausgeschieden werden, sondern sich im
Fettgewebe anreichern und relativ leicht (im Vergleich zu wasserlöslichen
Vitaminen) Symptome einer Überdosierung auslösen können. Wenn Sie sich
nicht extrem einseitig ernähren, ist hierdurch keine Überdosierung zu
befürchten. Anekdotisch sind Cholecalciferol-Vergiftungen bei Polarforschern
berichtet worden, die sich von Eisbärleber ernährten. Diese Gefahr
sollte bei uns also eher gering sein, lediglich bei Einnahme von reichlich
Lebertran – und da sollte schon der grausliche Geschmack schützen. Zu
starke Sonnenbestrahlung kann trotz der dann reichlichen Bildung in der
Haut nicht zu einer Vitamin D-Hypervitaminose führen, da über körpereigene
Regelkreise die Synthese dann zurückgefahren wird. Ein wenig anders schaut es schon
aus, wenn hoch dosierte Präparate eingenommen werden. Der übliche
therapeutische Bereich geht bis 20 μg oder 1000 I.E., im Einzelfall
kann man auch für begrenzte Zeit bis zu 40 μg oder 2000 I.E.
einnehmen. Höhere Dosen sollten nicht ohne ärztlichen Rat verabreicht
werden. Es gibt zwar mittlerweile auch Hinweise darauf, dass einige
Menschen erst bei deutlich höheren Dosen in den für sie interessanten
therapeutischen Bereich hineinkommen, was den optimalen Schutz für das
Immunsystem oder die Steigerung der Knochendichte angeht. Eine solche
Hochdosistherapie sollte aber nicht ohne ein Monitoring der
Cholecalciferol-Werte im Blut durchgeführt werden, damit man auf der sicheren Seite
ist. Symptome einer Überdosierung sind
Schwäche, Müdigkeit,
Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Durst, Übelkeit
– also sehr allgemeine, unspezifische Symptome, die nicht wegweisend für
eine Cholecalciferol-Überdosierung sind, sondern auch bei vielen anderen
Krankheiten und Störungen vorkommen.
Indikationen:
Wo kann Cholecalciferol hilfreich sein? Entsprechend seiner Bedeutung gibt
es viele Einsatzgebiete für das Multitalent Cholecalciferol: ☻ Rachitis-Prophylaxe: Säuglinge und Kleinkinder sollten 5 bis 10 μg gleich 200 bis 400 I.E. erhalten. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kann die Gabe von Cholecalciferol bei ungenügender Sonnenbestrahlung oder bei Dunkelhäutigen sinnvoll sein. Schwarzafrikaner sollten in unseren Breiten mehr Cholecalciferol einnehmen als Italiener und Italiener mehr als hellhäutige Deutsche. ☻ Schwangerschaft und Stillzeit: Wegen des zusätzlichen Bedarfs werden 5 μg gleich 200 I.E. zusätzlich empfohlen.
☻
☻ Psoriasis (Schuppenflechte): Äußerlich durch Cholecalciferol-haltige Salben, innerlich 500 bis 1000 I.E. (Achtung: Bei langfristiger, großflächiger äußerer Anwendung Cholecalciferol-Spiegel-Kontrolle erforderlich). ☻ Rheumatoide Arthritis: 1000 I.E Vitamin D zusammen mit Kalzium 1g, Vitamin C 3x1/4 TL und natürlichem Vitamin E 1000 I.E. ☻ Andere Autoimmunerkrankungen: 1000 I.E Vitamin D, Vitamin C 3x1/4 TL und natürlichem Vitamin E 1000 I.E. ☻ Krebsprophylaxe und Therapie: 1000 I.E. zusammen antioxidativen Nährstoffen sowie weiteren naturheilkundlichen und - wo notwendig – auch schulmedizinischen Behandlungsansätzen. Besonders wichtig bei Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs.
☻
☻
☻
Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche): Versuchsweise
1000 I.E., bei schwerer
Herzinsuffizienz Einstellung der optimalen Dosis
mit Cholecalciferol-Spiegelkontrolle, zusammen mit
☻
Depression: Versuchsweise 1000 I.E., ggf.
Spiegelkontrolle zu Therapiebeginn und nach drei Monaten, ggf. zusammen
mit hoch dosierten Johanniskrautpräparaten,
☻ Nierenerkrankungen: Bei chronischen Nierenerkrankungen sollten das Calcediol und das Calcitriol im Serum bestimmt werden. Danach sollte entschieden werden, ob und wie viel eines aktivierten Cholecalciferol-Präparates (s. o.) eingenommen werden sollte. ☻ Zustand nach Parathyreoidektomie (Entfernung der Nebenschilddrüse): Hier kommt es oft zu Störungen des Kalziumhaushaltes. Einnahme von Kalzium und/oder Cholecalciferol unter ärztlicher Kontrolle. ☻ Koordinationsstörungen (z. B. Gangunsicherheit ohne erkennbare neurologische Ursache)Hier kann Cholecalciferol 1000 I.E. versucht werden, ggf. vorher Laborkontrolle.
Gegenanzeigen:
Wann darf Cholecalciferol nicht eingenommen werden? Bei Hyperkalzämie (erhöhter
Kalziumspiegel im Blut) darf Cholecalciferol nicht gegeben werden, da diese Störung
noch verstärkt würde. Bei Nierensteinen in der Vorgeschichte oder bei
Morbus Boeck sollte Cholecalciferol nur nach ärztlicher Rücksprache
eingenommen werden.
Handelpräparate:
Welches Cholecalciferol ist gut dosiert und preiswert? Da Vitamine immer restriktiver von den Ärzten verordnet und von den Kassen erstattet werden, nimmt die Notwendigkeit zu, sich selbst qualitativ hochwertige Präparate zu besorgen, die ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Hier einige Beispiele (beim Preis ist die größtmögliche Packung berücksichtigt):
Es gibt noch zahlreiche Cholecalciferol/Kalzium-Kombinationspräparate Von den rezeptfreien Präparaten
sind also Vitamin D3-Tabletten von Hevert am günstigsten, von den
rezeptpflichtigen Dekristol 20000 Kapseln (Achtung: Einnahme nur alle 3
Wochen, bei einer gewünschten Tagesdosis von 1000 I.E., muss im Kalender
angestrichen werden!) oder Vigantol Oel, welches einfacher zu dosieren
ist. 1 Tropfen entspricht etwa 667 I.E., mit 1 bis 2 Tropfen wird man also
gewöhnlich auskommen (Achtung: Tropfen Sie Vigantol Oel nicht auf einen Löffel.
Wenn Sie diesen dann ablecken, bleibt oft der halbe Tropfen am Löffel
kleben. Tropfen Sie Vigantol Oel lieber auf ein Stück Brot oder auf den
mit Suppe gefüllten Löffel, damit Sie ihn wirklich ganz einnehmen!).
Rationelle
Labordiagnostik: Wer sollte seinen Cholecalciferol-Spiegel bestimmen lassen? Um einen
Cholecalciferol-Mangel erkennen
zu können, reicht normalerweise die Bestimmung von 25-Hydroxy-Vitamin D3
(Calcediol) im Serum völlig aus. Bei Nierenerkrankungen mit Verdacht auf
Cholecalciferol-Mangel muss aber unbedingt auch das aktivierte Vitamin D3
(1,25-Dihydroxy-Vitamin D3, Calcitriol) bestimmt werden. Je nach
Mangelsituation und Grunderkrankung reicht es dann, das „normale“
Vitamin D zuzuführen oder aber es muss unbedingt das aktivierte Vitamin D
(z. B. Bocatriol, Bondiol, Decostriol, Doss, EinsAlpha, Osteotriol oder
Rocatriol)), welches rezeptpflichtig ist und natürlich auch ein
Vielfaches kostet, zugeführt werden. Die Entscheidung, welches Vitamin D
in welcher Dosierung das Richtige ist, sollte dem darin erfahrenen Arzt
vorbehalten bleiben. Die Untersuchung von Cholecalciferol ist nicht ganz preiswert (Calcediol 33,22 €, Calcitriol 43,71€) Da häufige Bestimmungen dieser Vitamine dem niedergelassenen Kassenarzt das Laborbudget sprengen würden, werden diese Untersuchungen viel zu selten durchgeführt, selbst dann nicht, wenn sie medizinisch wirklich notwendig wären. Wer kann es dem Arzt verübeln, wenn er die Untersuchungen nicht aus eigener Tasche bezahlen will, weil er von der Kasse in Regress genommen wird? Wenn diese Untersuchung aber dazu beiträgt, dass eine Oberschenkelhalsfraktur verhindert, eine Schuppenflechte deutlich gebessert oder eine Metastasierung eines Krebses vermieden werden kann, dann hat sich diese Investition mehr als gelohnt. Die Untersuchung ist bei uns im Rahmen eines stationären Aufenthaltes (alle Kassen bei medizinischer Notwendigkeit) oder in meiner naturheilkundlichen Privatambulanz möglich (Kontaktaufnahme s. u.).I
Mit
den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
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